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Das Wort zum Sonntag // Gangsterläufer

Wieder ist eine Woche an uns vorbeigesaust, in der jeder von uns ganz eigene Erfahrungen gemacht hat. So gibt es immer wieder Sonntag auch das Wort zum Sonntag. Heute mit einem ernsten Thema. Denn heute dreht sich alles um den Dokumentarfilm „Gangsterläufer“.

Um es vorwegzusagen, dieser Beitrag ist von mir nicht verfasst worden, weil ich mich irgendwie zur aktuellen (die Frage ist ja eher wann sie mal nicht aktuell ist) Integrationsdebatte äußern möchte! Ich habe diesen Film per Zufall am Wochenende gesehen und er hat mich sehr erschüttert, weswegen ich ihn heute gerne vorstellen möchte.

Der Film Gangsterläufer ist aus dem Jahr 2011 von Christian Stahl und dreht sich um das Leben von Yehya. Stahl und Yehya wohnen im selben Haus in Berlin Neukölln, kennen sich eigentlich nur flüchtig, lernen sich mit der Zeit (und mit der Anzahl der Wasserkästen die Yehya für Stahl hoch trägt – „stärkt die Muskeln“) jedoch besser kennen. Yehya ist 15 als Stahl beschließt den Jungen, später auch seine Familie, mit der Kamera zu begleiten.

Yehya ist Boss der Sonnenallee, hat alles im Griff und gibt den Ton an. Darüber hinaus ist er einer der Gangsterläufer.

“Bei uns hier in Neukölln gibt’s so ein Spiel, das spielen wir jedes Wochenende mit 30, 40 Jungs. Einer ist der Fänger und die anderen laufen weg. Und wenn er einen gefangen hat, darf er ihm 30 Sekunden lang Todesschläge geben und der darf sich nicht mal wehren. Danach ist er auch Fänger und darf seine Wut an den anderen auslassen. Einer bleibt am Ende übrig, der beste. Der, den sie nicht gekriegt haben. Und das ist dann der Gangsterläufer.”  Yehya

Gangsterläufer – Gangsterleben, alles läuft gut, bis Yehya mit 17 bei einem Raubüberfall gestellt (er stellt sich selbst!) und zu drei Jahren ohne Bewährung verurteilt wird. Stahl begleitet Yehya über die Jahre im Gefängnis, parallel dazu zeigt er Yehyas Familie. Sein Vater Rached, eigentlich stolzer Libanese, aus seinem Land vertrieben und mit seiner Frau vor 14 Jahren nach Deutschland geflüchtet. Yehya war damals drei Monate alt. Rached, der eigentlich in Deutschland ein neues Leben anfangen wollte, der  „[…] nicht mal eine U-Bahn Strafe in 17 Jahren“ hatte und nicht versteht, wieso seine Kinder immer nur Mist bauen.

Yeyha übt sich im Gefängnis dagegen in Selbstreflexion. Der Zuschauer hat nicht nur einen verhafteten „Intensivstraftäter“ vor sich. Im Gegenteil, Yehya ist ein äußerst intelligenter Junge, der sich seiner Taten und dessen Folgen immer bewusst ist und war. Er ist äußerst charmant und unbewusst entwickelt man eine eigenartige Sympathie für Yehya. Es ist bemerkenswert wie schnell er auch im Gefängnis wieder zu alter „Macht“ kommt und Kontrolle über die Mithäftlinge erlangt, ohne dies eigentlich zu wollen. Man merkt richtig den Zwiespalt, in dem er steckt und wie schwer es ist aus diesem kriminellen Geflecht raus zu kommen.Nach einer Gefängnisverlegung ändert sich die Situation und Yehya wird nun selbst zum Opfer.

Parallel dazu treten seine Brüder in seine Fußstapfen. Sein großer Bruder leistet dadurch Yehya zwischenzeitlich auch Gesellschaft im Knast. Yehya wird nach zweieinhalb Jahren schließlich auf Bewährung entlassen – und steht vor der Abschiebung. Hier endet der Film.

Der Zuschauer erhält sehr tiefe, persönliche und vor allem ehrliche Einblicke in das Leben eines Menschen, der nicht dem „Traumjungen von nebenan“ entspricht. Vielmehr zeigt er die brutale Wahrheit dessen, was sich tagtäglich in deutschen Städten abspielt. Ich kann, auch während ich dies schreibe und mich näher mit Yehya beschäftigt habe, schwer begreifen, dass dieses „Leben“ sich nur 40 Minuten von mir entfernt abspielt.

Ich hab einfach ein bisschen gegoogelt und bin dabei auf zwei Artikel gestoßen. Laut Morgenpost und dem Tagesspiegel sitzt Yehya zurzeit wieder im Gefängnis. Er soll der Kopf einer großen Bande sein, der verschiedene Delikte vorgeworfen werden. Yehya ist heute 24, diverse Male vorbestraft und sitzt zum zweiten Mal im Knast.

„Wenn Du einmal drinnen bist, dann kommst Du hier nur ganz schwer wieder raus“  Yehya

Ich persönlich wünsche mir für ihn, dass er es trotzdem schafft.
Hier kommt ihr zu der Seite von Gangsterläufer. Auch noch mal beide Artikel hier & hier.
Wie ich gesehen habe kann man den ganzen Film auch bei Youtube sehen!
Kennt ihr den Film oder seit ihr mit dem Thema vertraut?
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